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Bodo Kroll

Der Standesbeamte der Stadt Otterndorf

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Ein Brautpaar sagte einmal nach der Trauung zu mir: "Herr Kroll, für Sie können nur drei Berufe in Frage kommen: Standesbeamter, Versicherungsvertreter oder Showmaster."

Natürlich ehrte mich diese Definition. Schließlich war es bereits Ende der 80er Jahre mein großer Wunsch, Standesbeamter in Otterndorf zu werden. Im Januar 1992 konnte ich ihn dann endlich realisieren.

In diesem Aufgabenbereich ist es trotz des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses möglich, nahezu selbständig zu arbeiten. So lassen sich unter anderem die Trauungen von mir so gestalten, wie ich es dem Anlass nach für richtig halte. Das 600 Jahre alte Otterndorfer Rathaus mit seinem historischen Mobiliar gibt mir hierfür einen wunderbaren Rahmen.

Tafel

 

Mein Aufgabengebiet ist jedoch nicht nur das "Leute verheiraten" und "Sekt trinken". Vielmehr umfasst es alle personenstandsrechtlichen Tätigkeiten. Angefangen von Geburten- und Sterbefallbeurkundungen über Vaterschaftsanerkennungen, Adoptionen und Namensänderungen bis hin zum internationalen Privatrecht.


 
Das antike Barockzimmer

Unter der Bezeichnung internationales Privatrecht kann sich der berüchtigte Ottonormalverbraucher sicher nichts vorstellen. Doch anhand des folgenden kleinen Beispiels wird die Bedeutung anschaulich.
Wenn zum Beispiel ein Deutscher eine Libanesin in Dänemark heiratet. Wie heißen dann die beiden bzw. deren voreheliche Kinder? Ist es überhaupt eine Eheschließung, die in Deutschland so ohne weiteres anerkannt werden kann, weil der Mann möglicherweise noch in Uganda nach dortigem Stammesrecht verheiratet ist?
Sie meinen, Fälle wie diese gibt es nicht! Falsch!
Mittlerweile kommen solche Probleme fast wöchentlich auf meinen Schreibtisch. Diese Fragen und viele mehr hat der Standesbeamte zu klären. Umfassendes Wissen über das Standesamtswesen im Ausland kommt dazu.


 

Selbstverständlich treffen sich die Standesbeamten deshalb auch öfters zu Schulungen und Fortbildungen. Bei einem dieser Treffen habe ich mich wohl ein wenig zu sehr über den galoppierenden Amtsschimmel aufgeregt. Eine Woche später sprach mich der Landesfachverband für das Personenstandswesen in Niedersachsen an, ob ich nicht ein Landesfachberater werden wolle. Als Fachberater für Personenstandswesen habe ich u.a. die Aufgabe, meine Kollegen zu schulen, ihnen bei der Lösung kniffliger Fälle behilflich zu sein und über die praxisorientierte Anwendung der Gesetze nachzudenken.

Eine neue und reizvolle Aufgabe für einen unruhigen Geist wie ich es bin. So nutze ich seit 1996 meine reichlich vorhandene Freizeit, um in Niedersachsen meinen Kollegen zu helfen.

Seit 2009 "durfte" ich zusätzlich zum Bundesakademie nach Bad Salzschlirf in Hessen, um auch dort Seminare zu geben. Ebenfalls eine schöne, wenn auch sehr arbeitsintensive Aufgabe.


 
 
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This page last updated on February 04, 2001.
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